Saison-Fazit: "Irgendwann war der Ofen aus"
23.März 2026

Saison-Fazit: "Irgendwann war der Ofen aus"

23
März
Erstellt von Friederike Weiler
Kategorie: Club-News, Biathlon
2026
23 .März 2026
Kategorie: Club-News, Biathlon
Erstellt von Friederike Weiler

Eine Saison, die anders verlaufen ist als geplant, erlebte Linus Kesper vom Ski-Club Willingen. Statt regelmäßiger IBU-Cup-Starts hieß es für den 23-jährigen Biathleten: zurück in den Deutschlandpokal. Im Interview spricht er über Erwartungen, mentale Herausforderungen und darüber, warum er dennoch optimistisch auf den kommenden Winter blickt.

 

Herr Kesper, wie würden Sie Ihre Saison in einem Satz zusammenfassen?

Nicht optimal, ich habe meine Ziele für die Saison verfehlt.

 

Welche Ziele hatten Sie sich denn gesetzt?

Mir war klar, dass das erste Jahr bei den Herren schwer werden würde, aber ich wollte konstant im IBU-Cup starten und damit auch bei den Europameisterschaften dabei sein. Top-Zehn-Ergebnisse im IBU-Cup waren realistisch – eigentlich …

 

Woran lag’s? Passte die Vorbereitung nicht?

Vom Trainingskonzept her war alles stimmig – bei anderen aus der Trainingsgruppe ist es voll aufgegangen, bei mir leider nicht. Die viele Reiserei, fehlende Ruhezeiten und ruhige Einheiten, die ich häufig zu intensiv angegangen bin, haben sich summiert. Am Ende hat mein Trainingsaufbau nicht gepasst: Ich hatte Probleme mit den hohen Intensitäten und der teilweise anhaltenden Ermüdung. Irgendwann war der Ofen einfach aus. Und es hapert auch noch an ein paar technischen Sachen: Beim Laufen ist meine Körperstreckung nicht ideal und daher komme ich nicht auf die Schnelligkeit. Und die Kraft, die ich entwickeln kann, bekomme ich nicht richtig auf den Stock umgesetzt – am Ende waren es einfach mehrere Baustellen.

 

Die Qualifikation für den ersten IBU-Cup haben Sie aber geschafft …

Ja, die Winterqualifikation lief läuferisch zwar nicht gut, aber ich habe gut geschossen und mich dadurch qualifiziert. In Obertilliach habe ich allerdings komplett einen auf den Deckel bekommen und musste anschließend im Deutschlandpokal starten. Aber auch am Arber lief es überhaupt nicht rund. Trotzdem habe ich im Januar beim Austria-Cup eine neue Chance bekommen und durfte aufgrund ordentlicher Leistungen zurück in den IBU-Cup. Doch in der Slowakei war ich meilenweit hinter meinen Erwartungen zurück, und dann ging es leider für den Rest der Saison in den Deutschlandpokal zurück – das musste ich leider akzeptieren.

 

Trotzdem haben Sie die Saison im Deutschlandpokal durchgezogen …

Klar, ich hätte auch den Kopf in den Sand stecken und die Saison beenden können, aber dafür bin ich nicht der Typ. Ich habe geschaut, dass ich den Trainingsaufbau um die Wettkämpfe herum schon mal in Richtung nächste Saison lenke. Also weniger Intensität, höhere Umfänge, Wettkämpfe ohne Ergebnisdruck. Das soll nicht heißen, dass ich die Wettkämpfe nicht ernst genommen habe, aber die Ergebnisse haben für diese Saison keine Rolle mehr gespielt.

 

Kommen trotzdem Zweifel auf?

Ja, es hängen schließlich Behördenplätze, Finanzierung und Kaderstatus an den Ergebnissen. Franz Schaser ist für mich eingetauscht worden, der letztlich 13. der IBU-Cup-Gesamtwertung geworden ist. Die Leistung hätte ich über die Saison nicht halten können, so ehrlich muss ich zu mir selbst sein. Trotzdem war für mich immer klar, dass ich nicht aufgeben und es weiterhin versuchen werde. Nur weil ich dieses Jahr im Deutschlandpokal gelaufen bin, werfe ich die Flinte nicht gleich ins Korn. Vielleicht ist es auch eine Chance, dass ich mich jetzt besser auf die Sache fokussieren kann, und dann zahlt es sich hoffentlich im nächsten Winter aus.

 

Wie sieht es denn mit Ihrem Kaderplatz aus?

Ich denke nicht, dass ich wieder den Perspektivkader-Status bekommen werde. Ob es dann für den Ergänzungskader reicht, erfahre ich noch. Der Ergänzungskader ist ein Zwischenstatus: Man ist zwar kein Teil der Lehrgangsgruppe mehr, bekommt aber trotzdem Rückhalt für die Behördenstellen, und der Skiverband drückt damit aus, dass er weiterhin hinter dem Sportler steht und an ihn glaubt.

 

Mit welchen mentalen Herausforderungen hatten Sie zu kämpfen?

Man redet sich immer ein, dass man schon irgendwie durchkommt. Trotzdem gibt’s Dämpfer, die sitzen. Ich arbeite mit einem Mentalcoach, das hilft enorm. Gut war auch, dass nach den verpatzten Wettkämpfen direkt die Weihnachtszeit folgte und ich zuhause bei der Familie Kraft tanken konnte.

 

Welches Rennen war das härteste?

Der Deutschlandpokal Mitte Dezember am Arber. Da bin ich überhaupt nicht in den Tritt gekommen, da ging gar nichts. Selbst die Jüngeren sind mir davongelaufen. Das war ein richtig bitterer Moment.

 

Gibt es trotzdem einen Wettkampf, auf den Sie gern zurückblicken?

Ja. Der Sprint am Notschrei, auch wenn ich mich blöderweise verlaufen habe, war richtig gut. Die Bedingungen waren super und vor allem hatte ich ein tolles Gefühl beim Laufen, das war ein Lichtblick, da hat es endlich mal wieder Spaß gemacht. Ebenso die Staffel in Ruhpolding, die in sehr entspannter und lockerer Atmosphäre stattfand.

 

Was war der schönste Moment abseits der Strecke?

Dass meine Familie beim letzten Deutschlandpokal in Ruhpolding dabei war und wir dort gemeinsam meinen Geburtstag feiern konnten.

 

Was nehmen Sie aus dieser Saison mit?

Ich muss meine Trainingsintensitäten viel genauer im Blick behalten und an meiner Regeneration arbeiten. Vor allem muss ich stärker auf mein Gefühl hören: Wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Und die Ruhephasen müssen wirklich ruhig sein. Das war einer der größten Knackpunkte. Belastungs- und Entlastungszyklen müssen eingehalten werden, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, etwas nachholen zu müssen. Ich muss cleverer an die Sache herangehen und nicht auf Krampf versuchen, alles umzusetzen.

 

Und was motiviert Sie für die kommende Saison?

Der Spaß am Sport. Ich habe das große Privileg, Biathlon ausüben zu können. Und der enorme Rückhalt und die Unterstützung von Familie und Verein – das motiviert mich unglaublich. Der Blick ist bereits auf die neue Saison gerichtet, und im Mai geht’s dann offiziell wieder richtig los. 
Foto: Kevin Voigt