Saison-Fazit: "Skispringen ist das, wofür ich lebe"
Eigentlich wollte Skispringer Robin Kloß in dieser Saison an seine starken Leistungen des Vorjahres anknüpfen und den nächsten Schritt machen. „Ins Continentalcup-Team hereinrutschen“, hatte sich der 20-Jährige als Ziel gesetzt. Statt einer stetigen Weiterentwicklung fand er sich jedoch zwischen Deutschlandpokal und gelegentlichen FIS-Cup-Einsätzen wieder. „Das war mit Abstand die härteste Saison meiner Karriere“, sagt er rückblickend.
Dabei verliefen die Testwettkämpfe im Sommer vielversprechend, und auch der Einstieg in den FIS-Cup gelang. Doch dann begann ein Wettkampfmarathon ohne echte Pausen. Im August und September war Kloß nahezu jedes Wochenende unterwegs, zusätzlich standen Lehrgänge an – Zeit für Regeneration oder strukturiertes Training blieb kaum. „Meine Form war zu dieser Zeit noch nicht stabil, deshalb war diese Vorgehensweise nicht ideal.“ Während andere Athleten in Ruhe trainierten, steckte er im ständigen Wettkampfbetrieb. Das fehlende Training und der Reisestress machten sich bemerkbar. Oft verpasste Kloß knapp den zweiten Durchgang. „Anfangs fehlten nur Kleinigkeiten, aber das Selbstvertrauen aus der Vorsaison – dieses Gefühl ‚selbst wenn der Sprung nicht perfekt ist, reicht es trotzdem‘ – war weg. Und wenn du nicht weiterkommst, macht das eben etwas mit dir“, beschreibt er die Phase, in der sich Unsicherheit und Druck verstärkten.
Hinzu kamen häufige Trainerwechsel: Sechs verschiedene Betreuer begleiteten ihn durch die Saison. Zuständigkeiten verschoben sich stetig, klare Bezugspersonen fehlten, die Kommunikation war schwierig. „Ich wurde oft hin- und hergeschoben und hatte nie das Gefühl, dass sich jemand wirklich verantwortlich für mich fühlt.“ Besonders deutlich wurde der Unterschied zur Vorsaison, als er mit Andreas Wank einen festen Ansprechpartner hatte. „Da hatte ich jemanden, der mich an die Hand genommen und mir gezeigt hat: Ich will dich nach vorn bringen. Das hat mir dieses Jahr komplett gefehlt.“ Von den angekündigten Veränderungen im Trainerteam – mit einem Nachfolger für Bundestrainer Stefan Horngacher und einer neuen Aufgabenverteilung – erhofft sich Kloß deshalb neuen Schwung.
Doch es gab auch immer wieder starke Trainingssprünge. Im tschechischen Frenstat gewann er im September sogar den Trainingsdurchgang. „Daran habe ich gesehen, dass ich es eigentlich kann. Ich war nie meilenweit entfernt, aber immer ein Stückchen – und das hat eben gleich den Unterschied zu einer Top-15-Platzierung gemacht und sich durch die komplette Saison gezogen.“
Der Knackpunkt kam nach dem FIS-Cup Anfang Dezember im schweizerischen Kandersteg: Eigentlich sollte es für Kloß weiter nach Norwegen gehen, wo ein weiterer FIS-Cup angesetzt war, doch kurzfristig wurde anders entschieden. „Das war einer der härtesten Momente der Saison.“ Darauf folgte eine Pause, ein bewusster Rückzug „um einmal herauszukommen aus dem System“, nämlich ein Trainingslehrgang in Seefeld mit dem ehemaligen Coach Jörg Pietschmann sowie Landestrainer Anže Brankovič und den jüngeren Athleten des SCW. „Deren Spaß am Sport hat angesteckt. Das hat richtig gutgetan.“ Auch die Weihnachtszeit zu Hause gab neue Kraft. Danach folgte das Skifliegen in Oberstdorf – „eines der positiven Erlebnisse“.
Trotz harter Arbeit blieb der große Fortschritt jedoch aus, und zeitweise ging es zurück in den Deutschlandpokal. „Am Ende hatte ich keine andere Wahl und habe einfach immer weitergemacht und die Wettkämpfe als Training gesehen“, so Robin Kloß, der zugibt: „Es gab Phasen, in denen ich dachte, es könnte meine letzte Saison sein.“
Umso wertvoller waren die Erfolgserlebnisse zum Saisonende: Beim letzten FIS-Cup in Polen rechnete er gar nicht mehr mit dem zweiten Durchgang und packte bereits zusammen, dann klappte es doch, Rang 29. „Am Ende bleibt genau das hängen, somit war’s noch ein versöhnlicher Abschluss. Und es hat sich bestätigt, dass man niemals aufgeben sollte.“
Jetzt genießt er bewusst den Abstand zur Schanze, denn der Urlaub mit und bei der Familie steht an: „Da bin ich nicht der Skispringer. Da tanke ich Kraft und Selbstbewusstsein – alles, was ich brauche, bevor es wieder losgeht.“
Im Mai geht’s dann zurück ins Training, zuvor folgen noch zwei Wochen Übungsleiter-Lehrgang bei der Bundeswehr. Doch die Motivation ist bereits groß: „Ich habe jetzt schon wieder richtig Bock auf die neue Saison. Es kann nur besser werden als in der letzten, das macht mir Mut. Und ich bin zuversichtlich, dass durch einen Trainerwechsel neuer Wind hereinkommt.“
Der Weltcup bleibt das langfristige Ziel, aber den nächsten realistischen Schritt sieht er im Continentalcup. „Wenn ich mich dort etabliere, ist das schon sehr viel wert.“ Fest steht: „Ich will nächste Saison wieder voll angreifen. Skispringen ist das, wofür ich lebe.“
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